Stellungnahme der BI Rottweil OHNE Hängebrücke vom 13. März 2017

(adressiert an den Schwarzwälder Boten)

 

Die BI Rottweil OHNE Hängebrücke nimmt die Gelegenheit  wahr, in Kürze noch einmal ihre Einwände gegen die geplante Hängebrücke darzustellen. Zu möglichen Vorschlägen einer alternativen Stadtentwicklungspolitik verweisen wir auf die Aussagen in den Seiten der BI, die sich in der Broschüre zum Bürgerentscheid befinden.

 

 

Anwohner

 

Die Brücke wird viele Rottweil direkt betreffen, die bei den unmittelbaren Andockstellen im und beim Bockshof und auf dem Schafwasen wohnen und leben. Dazu kommen die Bewohner des Neckartales, die in Sichtweite die Auswirkungen des Brückenverlaufs zu tragen haben. Die Brücke wird ganztägig und ganzjährig geöffnet sein und daher zur Belastung in puncto Licht, Lärm, Müll, Beeinträchtigung der Privatsphäre. Wer wünscht sich einen solchen Strom von Tagestouristen vor der eigenen Haustür oder gar schräg über seinem Grundstück? Die Brücke ist kein notwendiges Bauwerk, sondern ein Luxusprojekt.

 

Bockshof

 

Der Bockshof hat als Andockpunkt höchste Priorität für den Investor Eberhardt: Er möchte im „Wohnzimmer“ der Stadt Rottweil ankommen. Damit gibt er zu verstehen, dass er vom Charakter dieses Ortes keine Vorstellung hat. Dass der Bockshof eine äußerst sensible und schützenswerte Anlage ist, das hat nicht nur die Vertreterin des Landesdenkmalamtes beim  Infoabend in der Stadthalle nachdrücklich dargestellt. Kommt die Brücke, verliert die Stadt einen wesentlichen Bestandteil ihrer historischen Substanz.

 

 

Denkmalschutz

 

Der Bockshof samt der Stadtmauer stellt ein Ensemble und Denkmal dar, das nicht nur sichtbare Merkmale wie den Pulverturm und die Lorenzkapelle oder die Predigerkirche vorweist, sondern es befindet sich dort auch geschichtliches Erbe „im Boden“, die Parkanlage beherbergt einen ehemaligen Friedhof. Brücken haben immer zu Städten gehört, wurde mehrfach beim Info-Abend betont. Aber es widerspricht  vollkommen der Stadtanlage mit dem Hauptstraßenkreuz und den Stadtvierteln, eine solche Brücke zwischen Berner Feld und Innenstadt in diesem Korridor zu planen.

 

 

Event

 

Rottweil ist eine außergewöhnliche Stadt, die schon jetzt viele attraktiv finden. Sich einzureihen in die Eventkultur ist deshalb unverständlich und unverzeihlich. Wir sollten die Stadt in Ihrer liebenswerten Eigenart zu bewahren versuchen. Zur Veranstaltung in der Stadthalle war der Bürgermeister der Marktgemeinde Reutte eingeladen. Warum die Situation vor Ort in Reutte und die Situation in Rottweil meilenweit auseinanderliegen, zeigt auch unsere Darstellung in der Broschüre (s.o.). Warum wurde nicht der Bürgermeister aus dem Hunsrück (Geyersley) eingeladen? Vielleich hätte er weniger euphorisch berichtet, dass dort bereits „Verteilungskämpfe“ innerhalb der gastronomischen Betriebe der Region ausgebrochen sind. Macht es eine Stadt sympathischer, wenn sie sich gegen ihr Umland durch „Alleinstellungsmerkmale“ wie „höchster Turm“, längste „Hängebrücke“ absetzen möchte, anstelle – vielleicht sogar in überregionaler Zusammenarbeit – zu überlegen, wie die Lebensqualität der Einwohner erhalten und verbessert werden kann?

 

 

Fußgängerhängebrücke

 

Die geplante „Neckarline“ wird nicht umsonst zu begehen sein. Ihre Benützung ist nach Entrichtung eines Obulus in Höhe von etwa 9 Euro geplant. Sollte der Testturmbesuch damit verbunden werden können (schon jetzt wird gemunkelt, dass die Besucherplattform das erste Jahr komplett ausgebucht ist), wird eine vierköpfige Familie einen stattlichen Betrag berappt haben. Die Fußgängerhängebrücke als Verkehrsweg vom Berner Feld nach Rottweil darzustellen, entbehrt nicht nur aus finanzieller Sicht jeder Grundlage. Geschweige denn werden die Besucher ihre Einkäufe über die Brücke aus Rottweil hinaustragen.

 

 

Homepage

 

Die Homepage der BI ist unter  www.rottweil-ohne-haengebruecke.de  erreichbar. Dort finden Sie die meisten der in der Vergangenheit geschriebenen Pressemitteilungen, die aktuellen Termine und auch einige Bilder zur Brücke in Reutte, insbesondere das Eingangsportal zur dortigen Hängebrücke „im Tibet-Style“. Da sowohl der Investor als auch die Stadt viele Fragen zu Verlauf und Aussehen, auch der Pfeiler, bisher mit vagen Auskünften abgetan haben, ist unsererseits der Eindruck entstanden, letzten Endes könnte es sich gar nicht mehr um eine Hängebrücke handeln, und so ist der Begriff der Spannbandbrücke in die Diskussion aufgenommen worden. Letztendlich ist unser Ziel dadurch nicht tangiert: Egal wie die Brücke heißt, wir wollen sie verhindern.

 

 

 

Investorengruppe

 

Als Investor erhofft  sich Herr Eberhardt vom Bau der Brücke eine entsprechende Rendite. Daher klang auf der Bürgerversammlung die Idee an, wenn Brücke, warum nicht eine Rottweiler „Investoren“ – Gruppe. Unbestritten, die Investorengruppe um Herrn Eberhardt möchte die Brücke unbedingt. Bisher scheuen sie dafür keine „Kosten und Mühen“. Viele Einwohner der Stadt werden mit kleinen Geschenken bedacht, der Kirchengemeinderat mit Butterbrezeln, die BI an Nikolaus mit Erdnüssen und Mandarinen („peanuts“). Die Werbemaßnahmen sind überwältigend. So war beispielsweise die komplette Fensterfront des „Lehre“ an der Fasnet mit Plakaten der Werbeagentur zur Neckarline zugekleistert. Frühstück auf dem Thyssen- Turm zur Illustration des Brückenverlaufs…. Stimmt das alles Sie nicht nachdenklich?

 

 

Kosten

 

Die Brücke ist ein Geschenk? Die Infrastruktur, die sie benötigt, zieht Folgekosten nach sich. 3,4 Millionen ist eine Zahl, die bereits im Zusammenhang mit Parkplätzen genannt worden ist. WC-Anlagen müssen errichtet und betrieben werden. Dringend notwendige Investitionen wie in Schulen, Kindergärten, im kulturellen Bereich und bei Straßen müssen aufgeschoben werden.

 

 

 

Landschaftsschutzgebiet

 

Die Brücke führt über ein ausgewiesenes Landschaftsschutzgebiet. Dass es dort den Eisvogel gibt, kann sicher nicht damit abgetan werden, dass dieser unter der Brücke hindurch fliegen könne. Er soll stellvertretend genannt sein für das schutzwürdige Neckartal. Zu Fuß kann man von der Stadt bereits jetzt zum Berner Feld gelangen, wenn auch die Pflege einiger Wege dringend verbessert werden sollte.

 

 

 

Massentourismus

 

Von den einen als Schreckgespenst betrachtet, von anderen zur Belebung der Innenstadt, von Handel und Gewerbe herbeigesehnt. Die erwarteten Besucherzahlen für Turm und Hängebrücke eignen sich keineswegs, um sich das Ausmaß vorzustellen, das dieser mögliche „Besucheransturm“ für die Innenstadt mit sich bringt. Mehr Parkplätze, mehr Würstchenbuden, mehr öffentliche WCs? Die Besucher lassen sich nicht zwangsverpflichten, ihr Auto am Berner Feld zu parken und dann den Weg über die Brücke in die Stadt zu nehmen. Wenn sie die Belebung für den Handel darstellen sollen, wer befördert ihre Einkäufe zum Berner Feld? Ist ein ohnehin schwieriger Bereich wie die Gastronomie was die Ausstattung in personeller Hinsicht betrifft, dazu in der Lage, die Tagestouristen willkommen zu heißen? Wird auf dem Berner Feld eine Infrastruktur etabliert, die in Konkurrenz zur Innenstadt treten wird? Wie können die wetterbedingten Schwankungen der Besucherzahlen aufgefangen werden?

 

 

 

Parkplatzsituation

 

Das Versprechen, dass Rottweil nun endlich das lange ersehnte Parkleitsystem und hoffentlich auch genügend stadtnahen Parkraum durch die Brücke erhält, wird häufig bemüht. Tatsächlich werden wir mehr Verkehr nach Rottweil und in die unmittelbare Umgebung holen.  Abgase werden Menschen, Gebäude und Natur belasten.

 

 

 

Rottweil OHNE Hängebrücke

 

Unsere Bürgerinitiative hat sich im Sommer letzten Jahres gegründet. Wir haben das Ziel, die Errichtung der Hängebrücke zwischen Turm, inzwischen Berner Feld, und Innenstadt zu verhindern. Mit einem Bürgerbegehren wollten wir den Bürgerentscheid herbeiführen. Nachdem der Gemeinderat im Oktober die Durchführung eines Bürgerentscheides selbst beschlossen hat, haben sich unsere Aktivitäten dann auf die Information der Bevölkerung konzentriert.

 

 

 

Stadtentwicklung

 

Zur Stadtentwicklung gehört mehr als herausragende Bauwerke zu errichten, über deren Ästhetik man dazu hin geteilter Meinung sein kann. Das Zusammenleben in einer Stadt braucht Lebensqualität. Investitionen sollten dem Ensembleschutz, der Unterordnung unter die Bedürfnisse von Menschen und Natur und der Nachhaltigkeit verpflichtet sein.

 

 

 

Wahlentscheidung

 

Sowohl die Einstellung, die „Katze nicht im Sack“ kaufen zu wollen, als auch die grundsätzliche Absage an eine Brücke, die in der Innenstadt im Bockshof ankommen soll, kann Sie bewegen, wenn Sie sich unserer Aufforderung anschließen

 

 

 

      keine  Hängebrücke im Neckartal   -  stimmen Sie mit NEIN!

 

 

 

Dr. Winfried Hecht               Gisela Stier                   Werner Fischer